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24.01.2018  (STM)

Die letzte Mohritat

Der Schriftsteller Steffen Mohr ist 75jährig verstorben

Den SachsenSonntags-Lesern ist es liebgewordene Gewohnheit: Allwöchentlich bittet Gustav Merks zur Mithilfe bei großen und mindergroßen Kriminalfällen. Ausgedacht hat sich diese Schurkenrätsel Steffen Mohr, doch war er da längst Leipzig und den Krimifans zu Institution geworden. Als Kabarettist zog er durchs Land. Als Theaterregisseur inszenierte er mit studentischem Nachwuchs. Als Moderator präsentierte er Mohr und Köpfe. Als Bänkellied-Sänger stand er mit seinen Mohritaten deutschlandweit auf den Bühnen. Bleibende Verdienste erwarb sich Steffen Mohr als Vorstandschef des Förderkreises Freie Literaturgesellschaft, dem Verein, der im neuen Deutschland hiesigen Autoren Heimat ward und alljährlich zum Sächsischen Literaturfrühling lud. Am 17. Januar ist Steffen Mohr seiner Krankheit erlegen. Er hinterlässt Leerstellen, die im Kulturbetrieb der Stadt nicht leicht zu schließen sein werden.

Im Kriegssommer 1942 erblickte Steffen in Leipzig das Licht der Welt. In seiner Heimatstadt studierte er Theologie und Theaterwissenschaft. Nachts sind alle Enten grau – unter dem Pseudonym Hans Eger veröffentlichte er 1966 mit Nr. 68 in der legendären Blaulicht-Reihe seine erste Kriminalerzählung, „weil mir sonst als Student das Honorar vom Stipendium abgezogen worden wäre“. Die Liebe zum Genre war entdeckt und blieb es Steffens Leben lang. Der Serienkommissar Gustav Merks ermittelte erstmals 1979 im Nachtexpress an der Ostseeküste führte ein Verhör ohne Auftrag. Der Held – eine Mischung aus Sherlock Holmes und Oberleutnant Fuchs vom Polizeiruf 110. Auf Pressefotos und Plakaten ließ sich der Autor gern als eben jener mit karierter Mütze und Jackett ablichten. Gut vierzig Jahre setzte Merks seine Ermittlungen in Zeitung und in Sammelbänden fort. Literaturgeschichtliches Novum waren Blumen von der Himmelswiese 1983, denn es war der erste Kriminalroman der DDR, der auf VP und andere Ermittler verzichten konnte und damit einen Trend setzte. Psychothriller nennen das Verlage gegenwärtig.

Der literarischen Szene war Steffen Mohr Anker. Der Förderkreis Freie Literaturgesellschaft sah und sieht seine Aufgabe darin, das künstlerische Wort der Gesellschaft nahe zu bringen, auf dass es Diskussionen auslösen würde. Das gelingt nicht immer, und manch Medium, das Steffen in seinem Bemühen auf eine Negativ-Hitliste setzte. Das trug er mit Würde und Augenzwinkern. Angesichts derzeitiger Presseschlagzeilen ist es eine Ehre, denn Aufmerksamkeit zu erhalten ist einfach, im öffentlichen Gespräch zu bleiben, ist eine Sache, die so einfach nicht zu machen ist. Der Sächsische Literaturfrühling findet auch dieses Jahr statt. Das Herz des Festivals schlägt nicht mehr, es wird aber dabei sein: Versprochen. Steffen Mohr bot der Stadt Diskussionsstoff, zu hoffen, dass er das länger noch bleibt.

 

Nunmehr steht der Termin für Steffen Mohrs Bestattung fest.
 
Die Bestattung findet am Dienstag, den 06.02.2018 um 13 Uhr auf  dem Connewitzer Friedhof - Meusdorfer Str. 80 statt.

 


15.10.2017  (STM)

Leipziger Gruppembild mit Dame - Eine Hommage an Heinrich Böll zum einhundertsten Geburtstag


 

Heinrich Böll, literaturprägender Schriftsteller, streitbarer Friedensbotschafter und Nobelpreisträger, würde am 21.12.2017 seinen 100. Geburtstag begehen. Wir ehren den Giganten des Humanismus mit dem, was eigentlich Kunst ausmacht – dem Vorlesen eigener anspruchsvoller Texte, die den Hörer durch ihre Prägnanz und dennoch erzählerische Leichtigkeit an Heinrich Bölls Wort erinnern wollen: „Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein.“ Seien Sie gespannt. In farbiger Vielfalt der Meinungen wird zudem jeder Autor seine Beziehung zu Böll benennen.


29.09.2016  (STM)  [0 Kommentare]

Abschlussbericht für den 25. Sächsischen Literaturfrühling vom 18.3. bis 29.5. 2016



In einer sächsischen Kulturlandschaft, die von lodernder Leidenschaft für Festumzüge, Lichterspiele und Clownsattraktionen geprägt ist und das Fernsehen den Bürger verblödet, riskierten die Mitglieder und Gastautoren der Freien Literaturgesellschaft Leipzig, eV, drei sinnstiftende Lesemonate. In 19 Veranstaltungen traten 25 Schriftstellerinnen und Schrft-steller, 3 Musiker und 3 Gelehrte unter dem Motto „Kampf gegen Windmühlen“ an. Anlass war der 400. Todestag von Miguel Cervantes Saavedra, dem Urvater europäischer Prosa, jenem Literaturgenre also, dem die meisten unserer Autoren, neben Lyrikern, Lie- dermachern und Dramatikern, verpflichtet sind. Das Motto verband ästhetische Tradition mit zeitnahem Polis-Denken und wurde sowohl von einem älteren Publikum, als auch von Jugendlichen – von der Studentin bis zum Kind – diskussionsfreudig angenommen. Die Gesamtbesucherzahl betrug 980 Hörer in Leipzig, Hohenstein-Ernstthal, Werdau, Frohburg, Bad Lausick, Dresden, Markkleeberg und Podelwitz und dortselbst in Bibliotheken, Freizeitclubs, Kirchgemeinden, der Universität Leipzig, einer Klinik, einem Einkaufcenter und auf dem Friedhof.

Nach (wiederholtem) Nullzuschuss durch den mühsam zu avancierenden Hauptsponsor, der so genannten Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und den Krankenhausaufenthalten des Projektleiters drohte kurz vor Beginn beinahe die Absage des Events. Kaum eine gesellschaftliche Institution des Sachsenlandes scheint sich für ernsthaft verfasste Literatur und die älteren regionalen Autoren zu interessieren. Löbliche Ausnahme waren das Kulturamt Leipzig, die Landeszentrale für politische Bildung, die Sparkasse Leipzig und das unserer Literatur seit Jahrzehnten eng verbundene Einkaufcenter Moritz-Hof Leipzig. Ideell bereicherte die weltläufige Zusammenarbeit mit den Romanisten der Leipziger Uni das Unterfangen. Das beflügelte die Aktivität der schreibenden Parias ebenso, wie ein hohes ehrenamtliches Engagement in den eigenen Reihen. Dabei taten sich besonders der 2. Projektleiter Domenico Müllensiefen, die Projektassistentin Katja Mohr, unsere Schatzmeisterin Ute Hoffmann, Grit Kurth und U.S. Levin hervor. Mit Trauer erfüllte alle der Tod von Dieter Mucke, der mitten in den mit ihm geplanten Frühling fiel. Wir gedenken seiner in Dankbarkeit. Kontraproduktiv war der hohe Eigenstolz manches Mitglieds. Insgesamt können wir auf einen publikumswirksamen, von mäßigem Medieninteresse begleiteten, jedoch gelungenen 25. Literaturfrühling zurückblicken.


Aus Sicht des Projektleiters sollte es 2017 keinen Sächsischen Literaturfrühling geben. Alle Mitglieder sind deshalb angefragt, welche anderen Möglichkeiten sie sehen, das Schaffen Leipziger Schriftsteller öffentlich zu repräsentieren. Der Einzelne wird in seiner einsamen Schreibstube weiterhin an seiner Botschaft feilen. Die Freie Literaturgesellschaft will und wird ihm dabei Partner sein.


Leipzig, 8. September 2016


Steffen Mohr, Vorsitzender und Projektleiter


11.10.2015  (STM)

Neu erschienen von Steffen Mohr

 

 

Im Spätsommer erschien die von Marion Brandt (Gdansk) im fibre Verlag herausgegebene Anthologie  "FORTSCHRITT, UNVERHOFFT". Sie versammelt Texte von deutschen Autoren, u.a. von Günter Grass, Wolf Biermann, Heinz Magnus Enzensberger, Utz Rachowski und Steffen Mohr, die zu Zeiten der polnischen Revolution mit Solidarnosc verfasst wurden. Die Edition erfreut sich sowohl in Deutschland, als auch in Polen, großer Aufmerksamkeit.

 


26.01.2006  (admin)  [0 Kommentare]

Willkommen

Kurzporträt der "Freien Literaturgesellschaft Leipzig e.V."


Auf einer verregneten Parkbank neben der Leipziger Thomaskirche beschlossen vier sächsische Schriftsteller im September 1989 die Geburt der "Freien Literaturgesellschaft Leipzig e.V", ehemals des Förderkreises "Freie Literaturgesellschaft" im Kontra zur regimehörigen Bezirksorganisation des DDR- Schriftstellerverbands.

1990 erfolgte die Gründung als erster demokratischer Autorenverbund der neuen Bundesländer überhaupt im Gohliser Schlößchen zu Leipzig. Der Verein hat seinen Sitz im Haus des Buches Leipzig und setzt nunmehr über 20 Jahre lang zwei Prinzipien in die lebendige Praxis um:

1. Die demokratische Distanz zu den beiden totalitären Systemen der Vergangenheit (Faschismus und Realsozialismus) und ihren Metastasen bis in die Gegenwart.

2. Das soziale Engagement für den Berufsstand veröffentlichungstüchtiger Belletristikautoren.

Das Verfechten dieser Grundsätze trägt dem Verein bis heute Anerkennung, aber auch das Missfallen Altvorderer ein, einschließlich der exhumierten Stasizombies und linksparteiischer Träger politischer Macht. Der Verein hat maßgeblich zur Gründung des Sächsischen Literaturrats beigetragen.

Der inzwischen verjüngte Schriftstellerkreis präsentiert sich aller ein bis zwei Jahre in einem landesweiten Sächsischen Literaturfrühling. Unsere Vereinsgeschichte ist eine Geschichte des Zusammenhalts freundschaftlich gleich gesinnter, wenn auch unterschiedlicher literarischer Naturen.

 

Leipzig, Herbst 2013

Steffen Mohr, Vorsitzender


Einladung:

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